Unsere Kirchen

Auf dem Gebiet der Kirchengemeinde stehen zwei Kirchengebäude. Beide werden bis heute für Gottesdienste, Andachten und zum persönlichen Gebet benutzt. 

Die Kirche in Seefelden

Quelle: Albert Engler

Geschichte

Die Hauptkirche von Seefelden und St. Ilgen war seit etwa 700 n. Chr. die Kirche in Betberg. Doch bereits im 14. Jahrhundert gab es zwei Kapellen in Seefelden: Die Mauritiuskapelle im Außendorf und die Laurentiuskapelle im Innendorf. Aus einer dieser beiden Kapellen ist der Taufstein erhalten geblieben. Er steht nun in der Seefeldener Kirche und ist das älteste Teil des Bauwerks.
Taufstein aus einer der beiden früheren Kapellen in Seefelden, vor dem Dreißigjähgigen Krieg (1618-1648)
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gab es im ganzen Markgräflerland schwere Verwüstungen. Auch die Kapellen und Kirchen erlitten in den meisten Orten großen Schaden. In den Folgejahren wurden sie repariert – mit Ausnahme der Laurentiuskappelle. Stattdessen wurde 1752-1754 in der Mitte des Ortes eine neue Kirche am heutigen Standort erbaut.
Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) wurden, wie fast überall in Deutschland, die Kirchenglocken aus Betberg und Seefelden eingeschmolzen, um aus ihnen Waffen zu produzieren. Nach dem Krieg wurden sie neu gegossen. Doch im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurden die Glocken erneut zu Kriegsmaterial umgeschmolzen. Nur jeweils eine Glocke, die kleine Gebetsglocke, blieb in Betberg und Seefelden.
1950 und 1986 wurde die Kirche grundlegend renoviert. Das alte Altarbild wurde entfernt und durch ein neues ersetzt.

Die Glocken

1951 wurden die neuen Glocken eingeweiht. Ein Festzug führte die Glocken zur Kirche, angeführt von sieben Reitern, Musikverein, Schülern, Gesangsverein, Kirchenchor, Kirchengemeinderat und politischem Gemeinderat.
Die Inschriften der Glocken lauten:
  • Kleine Glocke (d - 1921): „Über der Heimat liegt Kummer und Leid. Herr, lass mich künden bessere Zeit.“
  • Glocke „Frieden“ (a - 1951): „Zweimal versunken in Kriegesbrand, zum drittenmal wiedererstanden, rufen wir aufs neue ins Land.“
  • Glocke „Hoffnung“ (c – 1951): „Wir rufen um Liebe, Eintracht und Frieden, zu Christus dem Herrn.“
Am 1. November 1970 wurde zum letzten Mal mit der Hand geläutet, eine Woche später wurde die elektrische Läuteanlage eingeweiht.

Das neue Altarbild

Das Bild wurde 1950 von der Künstlerin Margarete Seeler aus Oberweiler gemalt (signiert mit „Se“). Frau Seeler hatte zwei Söhne (Hansi und Peter), die auf der rechten Tafel des Altarbildes stehend und betend zu sehen sind. Eine Freundin, Hilde Wischmeier, bot die Vorlage für den Engel über den beiden Söhnen. Zwei andere Freundinnen, Cili Mayer und Annelise von Glan, waren Model für die Engel in der mittleren Tafel. Die Engel gehen auf das Jesuskind zu und bringen ihm die Dornenkrone. Sich selbst hat die Künstlerin auf der linken Tafel als Engel gemalt.
Im Hintergrund des Bildes ist das im zweiten Weltkrieg zerstörte Freiburg zu sehen. Das Freiburger Münster ist gut zu erkennen. Ein Soldat erhebt die Hände über das Elend, das er im Krieg erleben musste und so zum Glauben an Jesus zurückfand.

Die Orgel

Die Orgel ist von Josef Braun /Spaichingen um 1860 erbaut. 1984 fand die letzte grundlegende Überarbeitung statt. Die Josef Braun-Orgel ist die einzige seiner Orgeln am Oberrhein:  Mechanisch, ein Manual, kurzes Pedal, ca. 10 Register, einfach, bescheiden aber hell genug.
 
 
 

Die Kirche in Betberg

 
Betberg wird urkundlich zum ersten Mal im Jahr 789 in einer Schenkung an das Kloster Lorsch erwähnt. – Der Ort Betberg war der Herrensitz eines alemannischen Adligen, der dort im 8. Jahrhundert die erste christliche Kirche errichten ließ, und zwar an der Stelle, an der sich zuvor eine heidnische Kultstätte befand. Der Name Betberg bezeichnet einen sehr alten Kirchplatz. Die alemannische Bezeichnung für diese ursprünglich heidnische Kapelle war Petapur = Bet-Haus.
Die Christianisierung der Alemannen war v.a. das Werk iroschottischer Mönche, die predigend durch das Land zogen, Klöster oder Niederlassungen gründeten – oft auch dort, wo früher ein heidnisches Heiligtum war. Sie verkündeten damit: Christus ist Sieger und König!
Vermutlich war die Kirche in Betberg eine der Urkirchen im Markgräflerland, d.h. die Kirche war das Gotteshaus für mehrere umliegende Dörfer. Buggingen z. B. wurde erst 1629 auf Veranlassung des Markgrafen von Baden-Durlach selbständige Pfarrei. Damit ist die Betberger Kirche – nach Sulzburg – eine der ältesten Kirchen der Gegend. Vermutlich gab es schon 789 eine erste christliche Kirche auf dem Betberg; bei Ausgrabungen wurde Reste dieser ersten Kirche gefunden.
Die heutige Kirche dürfte zwischen 1100 und 1145 zunächst ohne Turm mit einer Vorhalle erbaut worden sein.  Heute noch zu sehen sind die beiden Okulifenster, die runden, kleinen Öffnungen am Westgiebel auf der Empore, durch die man ursprünglich die Rheinebene überschauen konnte. Nachdem aber an der Stelle der Vorhalle der Turm errichtet worden war, hatten sie ihren Sinn verloren.
Die Kirche war als Wehrkirche ursprünglich von einer fast durchgängigen Verteidigungsmauer umgeben – nur im Südosten gab es ein relativ kleines Eingangsportal. In der Kirche sind am Haupteingang sowohl am äußeren wie auch am inneren Portal die Vorrichtungen für die Verriegelungen mittels zugespitzter Balken deutlich zu erkennen.
Im Innern der Kirche fällt der Blick zunächst auf die dominierende Orgel im Chorraum. Sie ist ein Werk des Silbermann-Schülers Stein. Diese Orgel aus dem Jahr 1790 ist die besterhaltene Stein-Orgel im Bereich der Badischen Landeskirche und gilt unter Orgelkennern als kostbares Kleinod.
 
 
 
Im Kirchenschiff fallen die großen Fenster auf. Zunächst hatte man deswegen angenommen, dass das Kirchenschiff neueren Datums sei, aber Restaurierungen haben gezeigt, dass im Laufe von Jahrhunderten nach der Reformation anstelle kleiner romanischer Fenster große Fenster eingesetzt wurden. Das unterste kleine romanische Fenster auf der Nordseite hat als einziges seine ursprüngliche Gestalt behalten. Man hat später einige der ursprünglich romanischen Fenster wieder geöffnet.
 
 
Dabei legte man auch in der Fensternische ein gut erhaltenes Heiligenbild frei, eine Darstellung des hl. Laurentius.  Dieser war im 3. Jh. unter Bischof Sixtus Diakon in Rom. Während der valerianischen Christenverfolgung soll er auf einem glühenden Rost den Märtyrertod erlitten haben. Darum wird er mit 

Die heutigen Fenster im Chorraum stammen aus der Renovierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt auch der schlichte Altar, auf bzw. hinter dem das alte barocke Kreuz steht.
Vorne rechts (Südwand der Kirche, zwischen Sakristei und Seiteneingang) war ursprünglich ein kleines flaches Seitenkapellchen – man erkennt noch den spitzen Giebel mit gotischen Fenster. Hier befand sich ein Altar mit einer Pietà („Marienklage“). Die Betberger Kirche war im Mittelalter eine Marienkirche. Nach der Einführung der Reformation 1556 wurde dieses Vesperbild aus der Kirche entfernt – heute befindet es sich in der katholischen Kirche in Buggingen.
Wenn man auf die Empore geht findet sich dort der Einstieg zum Turm. Zur Rechten und zur Linken der Türgewandung sieht man zwei interessante Gestalten, die aus der Zeit des Bauernkriegs um 1525 stammen: Rechts steht ein Ritter mit Muskete und Schwert auf dem Wappen des Klosters von St. Peter (Betberg gehörte früher zum Kloster St. Peter) mit gekreuzten Schlüsseln und Bischofshut und links auf dem Wappen der Markgrafschaft ein Landsknecht in schmucker Uniform mit wehendem Helmbusch, bewaffnet mit Hellebarde und Schwert, also je ein Vertreter der geistlichen und der weltlichen Macht. Die Malereien um die kleinen Okulifenster zeigen Bauern, die offensichtlich versuchen, auf anderem Wege in die Kirche zu gelangen, an der geistlichen und weltlichen Macht vorbei.
 
In der Eingangshalle im Turmuntergeschoss sind ebenfalls alte, farbige Wandmalereien erhalten, die vermutlich ebenfalls aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen. Sie zeigen die Darstellung des Abendmahls (man sieht die 11 Jünger mit Jesus auf der einen Tischseite, Judas – in Landsknechtskleidung dargestellt – auf der anderen Tischseite), Jesus und drei seiner Jünger in Gethsemane und auf der linken Seite die Kreuztragung und die Kreuzigung Jesu.
 
 
 
In die innere und äußere Kirchenwand wurden sieben Grabsteinplatten eingesetzt, die man bei einer Renovierung im Jahre 1904 unter einem Bretterboden im Chor entdeckt hat. Sie bedeckten ursprünglich die Gräber von Pfarrern und deren Familienangehörigen.
Im Mittelalter war Betberg eine Propstei des Klosters St. Peter im Schwarzwald. Der Probst hatte für das Kloster den Zehnten zu vereinnahmen und hatte darauf zu achten, dass die Propstei wirtschaftlich geführt wurde. Im Jahr 1456 wurde in der Propstei Betberg eine Bruderschaft gegründet – zu ihr gehörten der Probst und mehrere Kapläne, die dann gemeinsam zuständig waren für Gottesdienst und Seelsorge in Betberg, Seefelden, St. Ilgen und Buggingen. Nach der Reformation wurde der evangelische Pfarrer vom Markgrafen ernannt, er musste sich aber dem Abt von St. Peter vorstellen, weil er weiterhin von St. Peter bezahlt wurde. Erst im Jahr 1806, als das Kloster St. Peter aufgehoben wurde, trat diesbezüglich eine Änderung ein.
 
Quelle: Betberg 789-1989. Festschrift zum 1200jährigen Bestehen. Und: M. Schlegel, Die Geschichte der Kirche von Betberg (Heitersheim 2008)